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Die Planung – die halbe Miete!

Wie suche ich ein Revier aus?

Natürlich muss ich Ihnen ja nicht sagen, dass man Reviere für Urlaubstörne nach Wetter aussuchen sollte. Ein Ostseetörn im November ist nicht so schön wie ein Türkeitörn zur selben Zeit. Aber – manche Reviere haben Starkwindperioden die man vermeiden sollte, wenn man allzu sportliches Segeln vermeiden will.

Überlegen Sie mit Ihrer Crew wie Sie anreisen möchten. Konnte man früher eigentlich nur mit dem Auto nach Süden fahren, gibt es mehr und mehr Flughäfen die von Ryanair, TUIFly und Co. angeflogen werden. Auch etablierte Linien-Airlines können erstaunlich günstig sein wenn man sich mit den Preissystemen auseinander setzt und früh bucht. Bei Preisvergleichen unbedingt auf die Gepäck-Kosten achten.

Wenn Sie mit dem Flugzeug anreisen möchten, sollte der Ausgangshafen nicht sehr viel weiter als 30 Kilometer vom Flughafen entfernt sein - sonst werden die letzten Kilometer am teuersten und zeitaufwendigsten (und anstrengendsten - Sie müssen ja Ihr Gepäck schleppen).  Bei der Anreise mit dem Auto können Sie beliebig viel Gepäck mitnehmen (z.B. Tauch- oder Angelausrüstung, aber achtung auf lokale Einschränkungen), eine Anreise mit dem Flugzeug zwingt Sie zu Einschränkungen. Das Anfliegen mit Chartergesellschaften ist manchmal schwieriger da Yachten typischerweise Samstags - Samstags verchartert werden (vor allem während der Saison), Charterflieger darauf aber keine Rücksicht nehmen.

Für weniger erfahrene Charterskipper empfiehlt es sich ein Revier auszusuchen in dem mehrere Häfen sind (Anlaufpunkte bei Schlechtwetter und bei Reparaturbedarf). Die Häfen sollten dabei nicht mehr als 20 Meilen auseinanderliegen. Das sind dann immer angenehme Tagestörns. Mit Hafen meine ich tatsächliche Häfen, so richtig mit Mauer, Liegeplätzen und Läden, nicht Ankerbuchten. Nur da liegt man gut vertaut sicher auch bei Sturm oder Wellengang.

Natürlich kann man am Tag viel weiter Segeln, und man sieht immer wieder Crews die sich das vornehmen - aber dann schläft man aus, ein gemütliches Frühstück, einmal Baden unterwegs und schon ist man erst abends um 22.00 Uhr im Zielhafen. Und der hat evtl. dann keine Liegeplätze mehr.

Auch sollte der Einsteiger Reviere ohne spürbare Tide auswählen, wie Ostsee oder Mittelmeer. Sie haben bereits genug zu tun ohne auch noch Tidenkalender zu studieren oder sich über Strömungen zu ärgern.

Skipper mit Törnerfahrung können durchaus über Ankerübernachtungen nachdenken, weil sie Themen wie Proviant und ausreichende Wasserversorgung besser einschätzen und berücksichtigen können.

Welches Schiff nehme ich?

Hierzu gibt es eigentlich nur 2 Parameter:

  • wie groß ist meineCrew
  • und wie viel Erfahrung bei der Schiffsführung habe ich
    als Skipper wirklich?

Je mehr Leute, desto größer muss logischerweise das Schiff sein. Charteryachten gibt es normalerweise mit 2, 3,
4 oder gar 5 Kabinen. Lassen Sie sich aber nicht irreführen - moderne Yachten werden oft mit überraschend kleinen Cockpits gebaut. Sie werden feststellen, dass, obwohl die Yacht zwar 10 Schlafplätze hat, nur 6 bequem im Cockpit sitzen können. 10 Mann im Cockpit bei Segelbetrieb geht selbst auf einer Bavaria 50 nicht ohne massive Komfort- und Sicherheitsabstriche. 

Meine Faustregel für kommode Yachtbelegung:

-          Zwei Mann weniger als das Doppelte der Kabinenzahl.

Also bei einem 38-Füsser mit 3 Kabinen, 4 Mann. Können mal auch 5 sein, wenn „Mann oder Frau“ sich liebt, aber das ist bereits eng.

Zur Schiffsführungs-Erfahrung:

Je länger das Schiff, desto schwieriger die Schiffsführung. Auf einmal werden Boxengassen „gaaaanz eng“, der Anleger gelingt nicht mehr auf Anhieb, die Manöver müssen genau geplant werden. Jemand mit wenig Segelerfahrung (oder nur Jollenerfahrung) sollte sich vorerst an nichts mit einer 4 in der Längenzahl heranwagen (so wie: 44 Fuss, 49 Fuss). Jeder Anfang sollte bescheiden sein, auch im Yachtcharter. Versuchen Sie's erst mal mit 28 oder 32 Fuss. Der Kaufmann wird sowieso bald merken, dass Skaleneffekte nicht eintreten - der Glaube, mit einem größeren Schiff und größerer Crew die Kosten pro Segler senken zu können, geht einfach nicht auf. Chartergebühren steigen, wie auch Schiffs-Kaufpreise, nicht linear nach Länge, sondern eher exponentiell.

Was Schiffshersteller angeht:

Die Frage lädt zu stundenlangen Glaubensfragen ein, ich enthalte mich einer Empfehlung. Suchen Sie Ihr Schiff nach Revier, Crewgröße, Segelerfahrung und Preis aus. Erst mit den Meilen merken Sie die Unterschiede. Alle angebotenen Yachten schwimmen und lassen sich unter Segel ähnlich schnell vorantreiben. Bavaria gewinnt in den Charterflotten zunehmend Marktanteil. Die Bavaria Yachten segeln ausreichend gut, sind ausreichend gut ausgestattet, und manchmal auch günstiger. Ist eben wie „Passat“ oder „Mondeo“ mieten. Die Franzosen reagieren aber auf die Konkurrenz aus Bayern und sind oft etwas pfiffiger im Detail, ein guter Skipper holt auch mehr Speed raus - kosten aber auch oft etwas mehr. Direkte Bavaia-Konkurrenz ist zur Zeit die Cyclades-Reihe. Diese ziechnen sich durch einfachere Segelhandhabung (Fock anstatt Genua) sowie durch geräumige Cockpits aus. Speed ist Geil - aber eine Leistungsyacht ist schwieriger zu segeln als ein Cruiser.

Wichtig: Schiffsalter!

Segelyachten im Chartereinsatz altern schnell, sie werden schliesslich 5-7 mal so intensiv eingesetzt wie eine Privatyacht. Wer ungern im Urlaub bastelt, sollte darauf achten, dass die gecharterte Yacht nicht älter als 2-3 Jahre ist. Manche Charterer bieten auch ältere Yachten an mit Bezeichnungen wie „Classic“ oder so an. Die sind dann meistens billiger. Aber, in der Regel sieht man es dem Schiff an (Holzdeck durchgelaufen, sichtbare Reparaturen). Der Rumpf ist der selbe, das Schiff ist nicht langsamer, Sie sparen Geld, aber es kann sein, dass Sie auch mal den Schraubendreher zücken müssen.

Ausstattung:

GPS und Sprayhood sollten schon an Bord sein. Auch ein Schlauchboot. Muss eine Bimini sein? Wenn vorhanden, ist es gut, aber ich würde nicht unbedingt ein Schiff alleine danach aussuchen. Selbiges gilt für Bugstrahlruder. Wenn man nicht ohne anlegen kann, sollte man nicht chartern, und auf einem Chartertörn hat man in der Regel eine ausreichend große Crew für die Hafenmanöver an Bord. Ich muss aber zugeben dass ein Bugstrahler bei einer 49er oder 50er in einem engen Hafen eine Erleichterung ist und dann auch von mir bereitwillig eingesetzt wird.

Wie suche ich ein Vercharter aus?

In von vielen Charterern aufgesuchten Revieren werden oft Schiffe von mehreren Flottenbetreibern (Veranstaltern) angeboten, oft vom selben Hafen ausgehend. Häufig bietet ein und derselbe Chartervermittler sogar Yachten von mehreren Flottenbetreibern im selben Revier an. Ist ja schön - nur bei wem soll ich Chartern?

Für Anfänger: nach Preis, Größe und Sympathie. Die angebotene Dienstleistung ist sowieso dieselbe. Ein größerer Vermittler bietet mehr Reviere und Yachten an, und hat außerdem oft revierkundige Mitarbeiter. Die Flottenbetreiber hingegen hören eher auf Sonderwünsche.

Es gibt spezialisierte kleinere Vermittler die als einzige Ihre Wunschyacht in Ihrem Wunschrevier anbieten, das ist Ihre Entscheidung.  Aber – als Chartereinsteiger – go with the flow. Wer viele Schiffe hat, kann eher reagieren, hat mehr Infrastruktur vor Ort, reduziert Ihr Risiko!

Wie erkenne ich einen großen Vermittler?

Am Messestand und an der Katalogdicke. Fahren Sie auf eine der großen Bootsmessen, vor allem Düsseldorf. Da können Sie sich die angebotenen Yachten auch gleich beim Hersteller anschauen. Und das macht sowieso Spaß.

Wie suche ich ein Flottenbetreiber aus?

Auch hier gilt für den Anfänger nach Preis, Größe und Angebot. Warum für ein und dasselbe Schiff bei gleichem Schiffsalter mehr zahlen? Die Ausstattungen sind selten signifikant unterschiedlich.

Für den Anfänger ist es eher wichtig dass der Stützpunkt vor Ort Routine in der Betreuung von Crews hat (und personell ausreichend ausgestattet ist). Falls eine Yacht tatsächlich wegen eines Schadens einmal ausfällt kann ein größerer Flottenbetreiber auch mal eine Ersatzyacht anbieten. Und bei „Wiederholungstätern“ ergibt sich für die Zukunft bei größeren Flottenbetreibern ein leichter Preisnachlass in Form von Treuerabatt - auch wenn mal in einem anderen Revier gebucht wird.

Wie erkenne ich einen größeren Flottenbetreiber?

An der Anzahl der Schiffe am Ausgangshafen (aus Internet oder Preisliste erkennbar) und aus der Anzahl der eigenen Stützpunkte in Europa.

Wie kann ich Geld sparen?

  • Nebensaison
  • Ältere Schiffe
  • Frühes buchen - die großen Messen im Winter, vor allem die „boot Düsseldorf“ im Januar, sind hier empfehlenswert - da kann man immer noch über Frühbucher-rabatte, kostenlose Außenborder, etc. verhandeln
  • Last Minute
  • Flüge früh buchen
  • Viel ankern
  • Weniger feiern oder essen gehen.

Aber Sie werden sehen: ab einem gewissen Punkt bringt das Sparen keinen Spaß mehr.

Stichwortkeller

Kaution:

Wie bei einer Autovermietung sind Sie als Charternehmer versichert - aber die ersten „X“ Euro Schaden müssen Sie schon selber zahlen. Das ist gleichzeitig Ihr finanzielles Risiko. Sie hinterlegen einen Betrag in Höhe dieser Selbstbeteiligung bei dem Vercharterer vor Ort als Kaution.

Die Höhe der Kaution richtet sich vor allem nach der Schiffsgröße und liegt oft zwischen 1.000 und 2.500 Euro, bei größeren Schiffen auch mal drüber. Das ist ein nicht zu unterschätzendes finanzielles Risiko: ein Unfall und Ihre Jahresplanung ist hinfällig geworden.

Zum Glück kann man etwas dagegen unternehmen: eine Zusatzversicherung (meistens Kautionsversicherung genannt) abschließen (siehe Stichwortregister). Ich werde zwar dafür bezahlt, im Beruflichen Finanzrisiken abzuwägen und einzugehen, aber will im Urlaub KEIN derartiges Risiko. Deshalb schließe ich grundsätzlich immer solche Versicherungen ab.

Kautionsversicherung:

Wie bereits im beschreibenden Text erläutert, kann man sein eigenes finanzielles Risiko durch Abschluss einer Kautionsversicherung erheblich reduzieren. Das muss jeder für sich entscheiden, aber ich schließe fast immer eine solche Versicherung ab. So konnte ich zum Beispiel auf meinem letzten Törn das finanzielle Risiko der Mannschaft von EUR 1.600 auf EUR 150 durch einmalige Zahlung von EUR 150 reduzieren. Meistens hat man das Geld, wie bei jeder Versicherung, umsonst ausgegeben - aber wenn’s mal gekracht hat, wird es bei Segelyachten gleich richtig teuer.

Nun gibt es zwei Varianten der Kautionsversicherung:

Sie können bei einem etablierten deutschen Yachtversicherer eine solche abschließen. Diese gilt dann typischerweise ein ganzes Jahr, unabhängig von der Anzahl Ihrer Törns. Als Alternative kann man meistens bei dem Flottenbetreiber vor Ort eine einmalige Kautionsversicherung abschließen. Die gilt dann allerdings nur für den einzelnen Törn, und kostet etwa soviel wie die in Deutschland abgeschlossene Versicherung.

Früher bevorzugte Ich die vor Ort abgeschlossene, obwohl sie teurer ist. Warum? Ganz einfach: weniger Stress. Man muss nicht die volle Kaution hinterlegen, sondern nur noch das Rest-risiko - also weniger Bargeld mitnehmen. Außerdem sollte mal was sein, gibt man einfach das kaputte Schiff ab, der Flottenbetreiber kümmert sich um alles, vor allem um die Abwicklung mit der Versicherung. Wenn man in Deutschland versichert ist, spart man bei mehreren Törns pro Jahr zwar einen kleinen Geldbetrag, muss aber die volle Kaution hinterlegen und sich dann im Schadensfall auch noch mit Gutachtern, Abwicklung, Versicherung auseinandersetzen. Und gerade das will man ja nicht - man hat ja zum Segeln gechartert. Leider ist es aber seit 2 Jahren so, dass manch' ein Charterunternehmen die Preise für die Vor-Ort-Variante massiv angehoben hat, so dass diese gelegentlich jetzt doppelt so teuer sind wie die in Deutschland abgeschlossene. Und da kommt man doch ins Grübeln. Meine Empfehlung: da wo der Unterschied nicht allzu gross ist, vor Ort, bei mehr als 50% Unterschied, doch in Deutschland versichern. Wir steuern durch unser Konsumverhalten die Preise.

Die Skipperhaftpflichtversicherung ist für den Schiffsführer unentbehrlich. Sie schützt gegen Haftungsansprüche der Crewmitglieder und Ansprüche des Eigners bei Schäden an der Yacht, die der Skipper aufgrund grober Fahrlässigkeit verursacht hat. Und sie deckt Haftungsansprüche aus Folgeschäden ab, die aus einer Havarie entstehen können, wie z.B. Gewässerschäden oder Ausfallkosten des Yachteigners, weil die Yacht für die nächste Charter nicht zur Verfügung steht.

Auch über eine Skipper-Rechtsschutzversicherung sollte man sich Gedanken machen, denn unter Umständen muss der Schiffsführer im Ausland um sein Recht streiten, und das kann teuer werden.

In der Vergangenheit gab es hier große Versicherungslücken. Heute bieten die Yachtversicherer vielfältige Vertragsformen an für einen sicheren Wassersporturlaub.

Vorwort

Einführung und Allgemeines

Die Planung

Die Durchführung

Für den Skipper

Für den Mitsegler