Revier Empfehlungen

 
 

Das Revier :

Küstenreviere können es so in sich haben. Einerseits leicht zu erreichen und viele Sehenswürdigkeiten an Land dafür andererseits manchmal eintönige Landschaften und nur Marinas als Übernachtungsmöglichkeiten. Und auf dem Hinweg ist links immer Land und zurück rimmer rechts. Es fehlt manchmal am seglerischem Abenteuer und an Abwechslung.


Und dann ist da die Türkei.  Zwar ein Küstenrevier, aber was für eines:


  1. Tolle, abwechslungsreiche Landschaften

  2. Ungeheuer gastfreundliche Leute

  3. Bis auf Marmaris und Bodrum vom Massentourismus fast unberührt

  4. Ein breites Spektrum an Ankermöglichkeiten

  5.   mondäne Marinas

  6.   verträumte Kleinstadthäfen

  7.   bewirtschaftete oder gänzlich abgeschiedene Buchten.


Dazu ein Revier das für Törns von 1 bis sogar 3 oder 4 Wochen interessant sein kann. Vor allem wenn man bei mehrwöchigen Törns auch den bürokratischen Akt des Transfers nach Griechenland und zurück vornimmt.


Das Revier von dem wir reden erstreckt sich von Fethiye im Osten bis etwas nördlich von Bodrum im Westen. Geeignete Startpunkte sind daher Göcek, Fethiye, Marmaris, Orhaniye, Bodrum oder Turgutreis. Sowohl Dalaman als auch Bodrum werden von Deutschland mit Charterflügen direkt bedient, ansonsten mit Turkish Airlines mehrmals täglich via Istanbul.

 

Türkei

Abendstimmung in Orhaniye

Die Törnberater empfehlen für 1-2 Wochentörns den Start von Göcek.


Ein verschlafener, kleiner Ort nur ca. 30 Taxi-Minuten vom Flughafen Dalaman entfernt. Transferkosten per Taxi € 38 (Stand 2012). Eine hübsche Uferpromenade, 3-4 Restaurants, Krimskrams-Läden, Supermarkt, Friseur, Geldautomat und ausreichend einfache bis mittlere Hotels runden das Bild ab. Es gibt mehrere Charter-Stützpunkte.


Fethiye ist etwas, aber nicht viel, weiter vom Flughafen entfernt.


Und schon beginnt die Entschleunigung:


Die Fethiye Bucht ist landschaftlich beeindruckend. Mit viel grün, grossen Bergen im Hintergrund, mehreren Inseln und vielen kleinen Buchten. Ideal direkt am Beginn der Charterwoche und am ersten Abend sollte man das ausnutzen. Es gibt eine Vielzahl kleiner Saison-Restaurants in den Buchten. Man kann gratis am Restaurant eigenen Steg liegen, solange man am Abend beim Restaurantbetreiber isst.


Und das ist ausnahmslos empfehlenswert, nicht nur in der Fethiye Bucht. Man sitzt typischerweise sehr schön im Freien und genießt die regionale Küche. In vielen Restaurants kann man noch direkt in der Küche aussuchen, was man essen möchte  Und am nächsten Morgen gibt es frisch gebackenes Brot!


Sarsala  Bucht

Weiter nach Westen kommen:


  1. Marmaris (Viel Touristik aber große Marina)


  1. Ciftlik (3 Restaurants mit Steg + 1 Hotel)


  1. Bozukale:

Auf dem Schlag nach Bozukale wird man vermutlich mit dem großen Thema dieses Reviers Bekanntschaft gemacht haben, dem Wind.


Manch ein Aegäis-Segler wird den Meltemi bereits kennen. Ein vor allem in den Sommermonaten vorherrschender Wind aus NNW


Zwischen Rhodos und dem türkischen Festland steht er eher aus West. Außerdem ist hier eine Düse, die vor allem Nachmittags zu steifen Segelwinden führen kann.


Der Meltemi wird eher im Westen des Reviers – also Bodrum, Landspitze bei Knidos (westlich von Datcia) und bis nach Rhodos ein Thema sein. Bis in die Fethiye Bucht schafft er es normalerweise nicht.


Auch eher geschützt sind Ekincik, Marmaris und die grossen Buchten östlich von Datcia (Hisaronu Korfezi) oder Bodrum (Gökova Korfezi).


So hat man die Wahl zwischen sportlichem Segeln bei 28 Grad und Sonne  oder aber mal eben nach Rechts abbiegen und schon ist es wieder grüner und ruhiger.

Ekincik - My Marina

Weitere sehenswerte Ziele Richtung Westen:


Bozburun / Yesilova:


Ein kleiner Ort, fast unberührt vom Tourismus mit gutem Hafen und auch guter Reede direkt vorm Hafen. Und der Orient ruft, mehrmals täglich vom Minarett. Die Moschee ist direkt neben dem Hafen.


Es gibt eine sehr schöne Stadtmarina mit Strom, Wasser und ausgezeichneter Versorgung. Der Supermarkt ist direkt am Pier.


Die sanitäre Vesorgung und das WLAN wird von den Hafenrestaurants sichergestellt. Dieses System findet man auch in Palamut und in den meisten Buchten-Restaurants.


Dirsek Bucht:


erste Bucht am Südufer der Hisoranu Bucht / Hisoranu Korfezi. Wunderschön und das Restaurant ist ein echter Knaller. Man kann sehr gut ankern und das Restaurant hat eine Mole.

Meltemi am Nachmittag bei Bozukale

Bozburun

Selimye:


Am östlichen Ende der Hisoranu Bucht, bekannt für seine Fischlokale. Kleiner Ort aber geschützt. Es gibt eine Reihe von schönen Ankerbuchten am Nordrand der Hisoranu Bucht. Nicht bewirtschaftet, aber wenn die Winde es zulassen kann man hier völlig abgeschieden übernachten. Das klarste Wasser dass ich je im Mittelmeer gesehen habe.


Datca:


Belebter Ort ohne Westtourismus. Relativ grosser Stadthafen mit Strom/Wasser und Einkaufsmöglichkeiten.


Palamut:


Etwas westlich von Datcia kurz vor Knidos. Ein absolut tiefenentspannter Ort mit begrenzten Einkaufsmöglichkeiten. Aber ein nützlicher, guter Hafen mit einer stattlichen Anzahl von Restaurants.


Und der hilfreichste Hafenmeister der Welt – er lässt Fischerboote umlegen damit Yachten Platz finden.


Knidos:


Berühmt für antike Stätten aber als Übernachtungspunkt begrenzt nützlich. Sehr exponiert bei manchen Winden und nur begrenzt Platz. Und in Sachen Antike.  Wer Delos (Kykladen / Griechenland) gesehen hat, muss hier nicht unbedingt hin.



Richtung Norden:


Bodrum:


Massentourismus pur aber sehr gute Marina mit entsprechendem Preis. Am späten Abend wird es laut! Sehr laut!!


Gümüslük:


Ankerbucht mit mehreren Restaurants, per Strasse erreichbar. Wenige hundert Meter entlang der Landstrasse nach Norden bringen den durstigen Skipper (und Crew) zum Limon Cafe, mit wunderbarem Blick bei Sonnenuntergang.

Man kann dann noch ein kurzen Schlag weiter segeln nach Lassos (leider in der westlichen Verlängerung der Startbahn vom Flughafen Bodrum), wo dann auch wieder beeindruckende antike Ruinen zu bewundern sind.


Von Bodrum nach Osten:


In den Gökova Korfezi (die lange Bucht die von Bodrum in das Landesinnere führt). Das Südufer hat wenig zu bieten, ist aber landschaftlich sehr schön.


Am Nordufer kann man in Cökertme einkehren, es bietet 3 Restaurants aber sonst nicht so wahnsinnig viel.

Viel schöner ist es am östlichen Ende der Bucht. Es gibt mehrere Verstecke wo man einsam ankern kann.


Hier kommen nicht viele Chartercrews hin, so dass man eher Langstreckensegler und Aussteiger findet.


Der Meltemi steht hier mehr aus West, so dass man schnell da ist aber dann nach Westen wieder kreuzen muss.


Und nun die Verlängerungsoption:


Man kann in Datcia, Bodrum, Marmaris und angeblich auch Bozburun die türkischen Ausreiseformalitäten für eine Ausreise nach Griechenland erledigen. Der freundliche Vercharterer weiss sicher Rat. Es ist ein bißchen aufwendig und lohnt daher nur für einen längeren Törn. Aber dafür kann man mehrere schöne Inseln (Patmos, Kalimnos, Leros, Kos, Tilos, Simi, um nur die Grösseren zu nennen) besuchen. Und da diese alle in einer losen Nord-Süd Linie liegen geht das auch bei Meltemi, denn der weht ja aus NNW).

Törnvorbereitung:



Wetter / Wind



Die Saison ist lang – man kann problemlos bis in den Oktober segeln. Und selbst im November werden noch Regatten organisiert (Göcek Race Week).


Das dominierende Thema für Segler ist natürlich immer der Wind. Und in diesem Revier, wie in allen Aegäis-Revieren ist im Sommer der berüchtigte Meltemi zu beachten. Dieser führt entlang der türkischen Küste zu NNW bis NW-lichen Winden.


Zwischen dem Festland und Rhodos, sowie in den grossen Buchten (Gökova Korfezi und Hisoranu Korfezi), dreht der Wind dann mehr auf westliche Richtungen.


Der Wind kann vor allem an westlichen Landspitzen (z.B. bei Knidos) oder zwischen dem Festland und Rhodos dann doch „sportlich“ werden. Oft ist es Vormittags und Nachts ruhiger. Östlich von Rhodos ist der Meltemi auch kein so grossesThema mehr.


Faustregel: dort wo man grüne, bewaldete Küstenstriche sieht, ist mit nicht so starken Winden zu rechnen. Und dort wo man eher karge Küsten sieht hat das hat wohl ein windigen Grund...


Der zweithäufigste Wind kommt gelegentlich, vor allem in der Nebensaison, eher aus WSW-Richtung. Das führt dann auch zu westlichen Winden an der türkischen Küste.


Zur Törnvorbereitung sollte man sich gelegentlich mit der Webseite des griechischen metereologischen Instituts auseinandersetzen Das Prognosesystem Poseidon (www.poseidon.hcmr.gr).


Wir haben sehr viel über die vorherrschenden Winde gelernt indem wir über mehrere Monate, im Abstand von wenigen Tagen, einfach mal geschaut haben was Poseidon vorhersagte. Auf dem Törn war Poseidon als Wetter / Windvorhersagesystem  nicht besser als andere und keiner ist sehr zuverlässig. Aber wir konnten den Törn und die Tagesetappen sehr viel besser planen weil wir wussten was für Winde uns erwarten würden.



Anreise:


Die 2 Hauptflughäfen sind Bodrum und Dalaman. Beide werden gelegentlich von Deutschland von Urlaubsfliegern angeflogen, nicht aber von den etablierteren Linienfluggesellschaften. Man kann aber auch über Istanbul fliegen. Das hat den Reiz das man bewusst einen langen Umsteigeaufenthalt einplanen kann, und noch ein Abstecher in die Stadtmitte von Istanbul wagen (vor allem von Istanbul Atatürk dem Hauptflughafen gut machbar). Auch wenn man gleich weiterfliegen möchte sollte man jedoch in Istanbul mindestens 2 Stunden zum Umsteigen einplanen. Dadurch kann man leichte Verspätungen abfangen und die Ein-und Ausreisekontrollen können durch den starken Andrang doch mit Warterei verbunden sein.


Dalaman bietet sich an für Charter-Stützpunkte in Fethiye, Göcek, Marmaris oder Orhaniye.

Für Charterstützpunkte wie Bodrum, Turgutreis etc. würden wir nach Bodrum fliegen.








Palamut

Eine hübsche, geschützte Bucht mit 3 Restaurants mit Steg. Touristisches Highlight ist die Ruine der griechischen Festung. Der sensationelle Blick von dort oben über die Bucht bis hinüber nach Rhodos entschädigt für die Mühe des Aufstiegs.

Man ist zwar technisch gesehen an der Küste, fühlt sich aber wie auf einer Insel. Uns zieht es zum Beispiel immer zum Wirt in der kleinen Sarsala Bucht nur 6 Meilen von Göcek Für den ersten Nachmittag eine ideale Distanz. Und das beste selbstgebackene Brot weit und breit.


Manche Crews verbringen mehrere Tage in der Fethiye Bucht. Die Entfernungen sind nicht gross, es ist geschützt und man kann Fethiye und verschiedene Buchten (sogar noch eine östlich von Fethiye) besuchen.


Aber wer mehr sehen möchte wird wohl nach Westen wegsegeln. Für einen 1-Wochen-Törn sind Bozburun oder Datcia mögliche Wendepunkte. Während eines eher sportlichen 2-Wochen-Törns kommt man ohne Stress bis Bodrum.


Und es gibt viel zu sehen auf dem Weg nach Westen. Erstes Highlight westlich der Fethiye Bucht ist Ekincik. Dort kann man ankern aber es gibt eine sehr gute Marina (My Marina) direkt an der Einfahrt zur Bucht. Zu beachten: Das Restaurant in der Marina ist zwar gut aber auch sehr teuer.


Von Ekincík kann man mit gemieteten Ausflugsbooten den Dalyan Fluss hochfahren, vorbei an historischen Felsengräbern, Schlammbädern, und schöner Flusslandschaft. Einen Tag sollte man hier schon einplanen, der Ausflug kann 6 Stunden dauern.

Bozukale - Blick nach Rhodos

Dirsek